Westerwelle – der Film.

“Zwischen zwei Leben”, das autobiographische Buch von Guido Westerwelle mit Hilfe des Journalisten Dominik Wichmann wird fürs Fernsehen verfilmt.

Ufa Fiction produziert einen Fernsehfilm über den am 18. März 2016 verstorbenen, ehem. Außenminister der BRD, FDP-Vorsitzenden, und Fürsprecher für die Gleichberechtigung von Schwulen, Dr. Guido Westerwelle.

Eine Reaktion:

Guido Westerwelle mit seinem Partner Michael Mronz winken in die Kamera.Die Verfilmung des Buches scheint auf die zumindest implizite Billigung von Dr. Westerwelle zurück zu gehen, wenn ich den queer.de Artikel* richtig deute. Ich könnte mir, so wie ich Guido Westerwelles öffentliche Persönlichkeit erlebt habe, vorstellen, dass er der Verfilmung nicht ablehnend entgegen gestanden hätte.

Ich merke bei aller Bewunderung für Dr. Westerwelles Energie und Zielstrebigkeit, dass meine Ziele was den LGBT*I*Q Aktivismus betrifft, und meine gesellschaftlichen Idealvorstellungen zu denen von Guido Westerwelle nicht gegensätzlicher nicht hätten sein könnten.

Westerwelle beklagte Mal, dass seine Partnerschaft, wegen deren Geschlechterkonstellation als “Ehe zweiter Klassen” hätte angesehen werden können.** Ich beklage hingegen, dass bronzezeitliche Stammesregeln auf die Bewertung meines Lebensentwurfs ausstrahlen, und bewirken, dass mir und denen, die mir nahe stehen konkrete Einzelrechte vorenthalten werden, und die volle Menschlichkeit aberkannt wird. Dabei ist das Thema “Ehe” für mich eher eine Fußnote, da ich “Ehe” als dominantes, gesellschaftliches Konstrukt an sich problematisch finde, und nicht die Frage ob meine zwischenmenschlichen Verbindungen dazu geeignet sind gänzlich oder nur teilweise als eine “Ehe” (wenn auch unter leicht abgewandeltem Vorzeichen) zu gelten.

Ich finde man/frau kann Westerwelles Vorstellungen von den Zielen des LGBT*I*Q Aktivismus, wenn ich sie richtig verstehe, plakativ als “homonormativ” beschreiben – d.h. die Integration von LGBT*I*Q Menschen in die vorhandenen Zustände. Das bewirkt möglicherweise eine Verbesserung der Lebensbedingung mancher Menschen die sich als LGBT*I*Q verstehen, beinhaltet aber nicht notwendigerweise eine grundsätzliche Hinterfragung der Zustände, die aus meiner Sicht eben zu der willkürlichen Aufspaltung in LGBT*I*Q gegenüber nicht-LGBT*I*Q führen, und hinterfragt keineswegs die weiteren Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten, die unserer Gegenwart zu Grunde liegen, und, die die weitestgehende Ungerechtigkeit unseres Alltagshandelns reproduzieren und nähren.

Und doch (oder gerade deswegen) wünsche ich Herrn Mronz und allen anderen Hinterbliebenen von Dr. Westerwelle alles nur denkbar Gute, und viel Kraft für ihren Lebensweg, auch unter dem Aspekt, dass sie es unter dem öffentlichen Mikroskop weiterführen werden. Das kann nicht einfach sein.

Quellen:

* Queer.de Beitrag von “cw” nicht näher erläutert: “Zwischen zwei Leben”, Guido Westerwelles Leben wird verfilmt. In: queer.de (Kultur > Film). Datum: 17 Mar 2017. URL: http://www.queer.de/detail.php?article_id=28431. Zuletzt überprüft: 18 Mar 2017.

** Dimitrij Leitschuk: SPIEGEL-Gespräch mit Guido Westerwelle, “Und dann stirbste”. In: Spiegel online, Ausgabe 46/2015 (Politik > Deutschland > Guido Westerwelle). Datum: 07 Nov 2015. URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/guido-westerwelle-im-spiegel-gespraech-und-dann-stirbste-a-1083100.html. Zuletzt überprüft: 18 Mar 2017.

Bild: Guido Westerwelle & Michael Mronz-crop.jpg. Datum: 25 Jul 2009. Autor*in: Tafkas. Lizens: CC BY-SA 3.0 non-ported. Quelle: commons.wikimedia.org. URL: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Guido_Westerwelle_%26_Michael_Mronz-crop.jpg?uselang=de. Zuletzt Überprüft: 18 March 2017.

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